Richard Florida

Richard Florida

US-Soziologe, Ökonom und Vordenker

Kreativität - eine Zunkunftsressource? Ist sie der neue Rohstoff des 21. Jahrhunderts? „Der Zugang zu talentierten und kreativen Menschen ist für das moderne Wirtschaftsleben das, was der Zugang zu Kohle und Eisenerz für das klassische Industriezeitalter war“, schreibt der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler in seinem Bestseller „The Rise of the Creative Class“.
Die Fähigkeit von Ländern kreatives Potential anzulocken, entscheidet zukünftig über ihre Position im globalen Wettbewerb.

Richard Florida weist in seiner Aufsehen erregenden Untersuchungen nach: Kreativität ist zum Treiber des Wirtschaftswachstums geworden. Statt des Handels mit Waren und Dienstleistungen oder der Finanz- und Investitionsströme entscheidet immer öfter die Fähigkeit von Ländern, kreatives Potenzial anzulocken, zu pflegen und zu entwickeln, über ihre Position im globalen Wettbewerb.

Es werden also nicht in erster Linie die Schwellenländer mit niedrigen Lohnstückkosten prosperieren, sondern jene Regionen, denen es am besten gelingt, das kreative Potenzial ihrer Einwohner auszuschöpfen und kreative Talente aus aller Welt anzuziehen.

Der globale Wettbewerb um Talente ist ein dynamischer, empfindlicher und kaum dokumentierter Prozess. Traditionelle Wirtschaftsmächte können ihre Position in der sich ausbildenden kreativen Ökonomie einbüssen, während dynamische neue Kreativzentren aus dem Boden schiessen. Wir stehen an einem spanenden Wendepunkt. Die Vereinigten Staaten, die lange Zeit eine unbestrittene Vormachtstellung innehatten und die Besten und Intelligensteten aus Europa, Asien, Afrika, Indien und der restlichen Welt anzogen, verabschieden sich offenbar von ihrer Führungsrolle.

Was treibt die globale Karawane der kreativen Geister wohin – sind es die Investitionsentscheidungen multinationaler Konzerne, sind es steuerliche Anreize von Ländern und Kommunen, oder ist es die Mundpropaganda über Orte, an denen man sich wohlfühlen und es zugleich zu Wohlstand bringen kann? Ein bisschen von allem, sagt Florida. Am Ende laufe es auf „die drei T“ hinaus: Technologie, Talent und Toleranz. Um als Standort beim wilden Reigen mobiler Wissens-arbeiter mitzuspielen, muss man alle drei Produktionsfaktoren auf sich vereinigen.

Intolerante und engstirnige Orte sterben. Es mag Ausnahmen geben. Aber es wird enger, je mehr Angehörige der kreativen Klasse ihren Wohnort frei wählen können. Die Wahl des Wohnorts ist wahrscheinlich die wichtigste Entscheidung im Leben. Mehr und mehr Menschen sind in der Lage, sich den Platz auszusuchen, an dem sie leben wollen. Sie verändern damit die Weltwirtschaft.

Richard Florida hat viele Ideen parat, wie man wieder zum Talentmagneten aufsteigen kann. „Auf die Regionen schauen und kleinere Einheiten fördern. Was die Bürgermeister von Standorten wie Schanghai oder London tun, ist das genaue Hinsehen wert. Die besten Ideen kommen von der Basis. Je mehr Menschen aus aller Welt ich hole, desto gemischter wird die Gesellschaft und desto schneller erreiche ich eine kritische Masse.“

Und noch eines liegt Richard Florida am Herzen: „Silicon Valley ist auf keinen Fall das Modell, das man kopieren sollte. Dieses Modell der hochtechnisierten Räuberbarone ist der Totentanz des Industriezeitalters – überfüllt, überteuert und überbewertet. Auf Dauer völlig unhaltbar.“ Genau deswegen zieht es immer mehr Studenten nach ihrem Studium in den USA wieder zurück nach Indien oder China.

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Aktuelle Veröffentlichungen

Richard Florida: Reset
Wie wir anders leben, arbeiten und eine neue Ära des Wohlstands begründen werden.
224 Seiten.

ISBN: 3593391252
EUR 22.-
Campus Verlag

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