Eric T. Hansen

Eric T. Hansen

„Planet Germany“: Ein Amerikaner erklärt den Deutschen ihr Land

Hansen ist Journalist, stammt aus Hawaii und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Zeit genug, sich mit unseren Eigenarten bestens vertraut zu machen. Und da Hansen eben von einem anderen Stern kommt, kann er sich über so Manches auf dem "Planet Germany" nur wundern.
Da ist zum Beispiel unsere ewige Klage, Deutschland würde zunehmend amerikanisiert. Überall McDonalds, Coca Cola und Rap-Musik. Hansens Rezept mit solchen und ähnlichen Urteilen umzugehen ist einfach, aber überzeugend: Er recherchiert, wie viele Hamburger-Läden es gibt, und vergleicht es mit der Zahl anderer ausländischer Restaurants. Das Ergebnis ist frappierend: Nicht die Amerikaner unterwandern unser Land, sondern die Türken zusammen mit den Chinesen und Italienern. Es gibt definitiv mehr Döner Buden als McDonalds und Burger King Filialen zusammen.

Ganz abgesehen davon, so Hansen in einem kleinen historischen Ausflug, ist Fast Food keine Erfindung der Amerikaner, sondern der Deutschen. Bock-, Brat- und Curry-Wurst sind urgermanisch. Schließlich noch ein Blick auf die Wirtschaft: Deutschland exportiert weit mehr Waren in die USA als umgekehrt. De facto müsste man von einer Germanisierung Amerikas sprechen. Aber im Gegensatz zu uns Deutschen glaubt kein Amerikaner, er würde von Angela Merkel fremdbestimmt, weil er einen VW fährt.

Wenn die Deutschen auf der Suche nach ihrer Identität genauso gründlich wären wie beim Autobauen, dann hätten sie sie längst gefunden und vermutlich auch noch erfolgreich exportiert.

Hansen beschreibt unsere Versicherungswut, unser Verhältnis zu Geld und Goethe, unsere Angst vor Veränderungen und den Hang zu nörgeln. Er tut das mit viel Humor und Liebe für diesen seltsamen Planeten. Bei aller Leichtigkeit, mit der Hansen seine Expeditionen in die Heimat des Hawaii-Toasts angeht - der übrigens definitiv eine deutsche und keine amerikanische Erfindung ist -, die einzelnen Themen sind gut recherchiert und bieten eine Menge historischer und kultureller Hintergrundinformationen, auch wenn sich über einiges trefflich streiten ließe.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wir leben in einem tollen Land! Danke Eric T. Hansen. Danke Amerika!

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