Gunter Dueck

Gunter Dueck

Querdenker und "Master Inventor" von IBM

Gunter Dueck ist einer der so genannten "Master Inventor" des IT-Dienstleisters IBM und einer der inspirierendsten Menschen, denen man begegnen kann.  Verblüffend einfach und zugleich höchst unterhaltsam zeigt er auf, wie die vermeintliche Cleverness des Einzelnen das Auf und Ab innerhalb der Wirtschaftszyklen verstärkt. Sein Buch „Abschied vom Homo Oeconomicus“ ist ein kluges Plädoyer für eine neue wertorientierte, ökonomische Vernunft, die den Menschen in den Blick nimmt und uns lehrt, in fetten Jahren Maß zu halten und in mageren gelassen zu bleiben.

Die gesamte Wirtschaft ist eigentlich dazu gedacht, dass sie eine Arbeitsteilung der Menschen so organisiert, dass die gesamte Gemeinschaft in angemessenem Wohlstand lebt. Unter gegebenen Ressourcen soll sie ein Maximum an Prosperität erzeugen. Im Grunde könnten wir durch die Fortschritte des Managements so sehr im Wohlstand leben, dass wir alle mit 30 Stunden Arbeit auskommen könnten. Keiner hätte Sorgen, alles wäre friedlich. Warum entsteht aber so etwas wie über Jahrzehnte dauernde Not?


Nach jeder Basisinnovation bauen wir die ganze Welt wieder neu auf. Reißen alle Straßen auf und legen Strom, dann Fernsehen, dann Fernwärme, Telefon... Wir bauen Stadtautobahnen, U-Bahnen, dann wieder Tunnels und Fußgängerzonen. Wir schaffen die Büros ab, weil die Leute daheim über DSL arbeiten sollen. Nach einigen Jahren kennt keiner keinen mehr und sie müssen wieder zurück - aber ach, die Büros sind weg. Neubauten her. Die Schnelligkeit der Veränderung bewirkt, dass sich Investitionen sehr schnell rentieren müssen. Unternehmen müssen sehr viel mehr Gewinn erwirtschaften, wenn die Welt sich schnell wandelt. Sie müssen ja das Geld wieder hereinholen! Sofort! Bei etwas mehr Langsamkeit würden weniger Gewinne ausreichen, oder? Alles hätte mehr Zeit, sich zu amortisieren.


Nach jeder Basisinnovation stirbt das Alte und verwandelt die Welt in ein einziges Rückzugsfeld. Kriege des Überlebens entbrennen. Welche Telekoms, welche Banken, welche Versicherungen bleiben als letzte am Leben, wenn alles Alte stirbt? Dieses Sterben auf Raten verändert den Menschen zum Egoismus. Er wird allein gelassen und handelt auch nur für sich allein. Einige große Gewinner häufen Reichtümer mitten im allgemeinen Unglück auf und machen sich naiv gesehen eigentlich schuldig.


Im Laufe jedes Aufschwungs setzt Verschwendung ein. Die neue Welt wird extrem luxuriös ausgestattet. Das Geld wird mit vollen Händen ausgegeben - für Schönheit. Nach kurzer Zeit aber kommt die neue Basisinnovation und alles muss wieder eingestampft werden. (Kurkliniken her! Umbauen für billigere Behandlungen! Ganz aufgeben und verkaufen.) Je höher die Luxuswelle schwappte (Bankpaläste , Versicherungsburgen), umso mehr muss sterben. Alle, die jetzt das ganze Geld in Großartiges stecken, das gleich wieder untergeht, machen sich eigentlich schuldig. Das sind im Luxus eigentlich wir alle.


Die heutige Wirtschaft maximiert nicht den Wohlstand, sondern das Neugeschäft, das Business oder das Wachstum. Wir bauen immer mehr immer neu. Ein Großteil des früher Erarbeiteten wird dabei stets vernichtet. Wir leisten Ungeheures ohne Vorankommen. Ein großes Rad wird gedreht - und es bleibt kaum etwas zurück.

Unsere Wirtschaftsleistung wächst unaufhörlich - das ist das, was wir im Hamsterrad neu erzeugen. Wächst aber unser Wohlstand dabei? Unser Wohlbefinden? Unsere Gesundheit?


Im Aufwärts beuten die Menschen die Unternehmen und die Gemeinschaft aus, sie erzwingen Lohnerhöhungen durch Streiks und Staatsleistungen durch Wählerstimmen für Großversprecher. Im Abschwung nehmen die Starken im Namen der Vernunft und der Effizienz den Schwachen alles weg.


Eindringlich und mitreißend beschreibt und analysiert Gunter Dueck, was in den Menschen und in den Betrieben vor sich geht in den verschiedenen Phasen von Aufschwung, Boom, Crash und Rezession. Er zeigt auf, was falsch gemacht wird, und er hat am Ende auch eine Lösung anzubieten, die das Elend der Extreme verhindern kann. Eine praktikable Lösung von philosophischer Tiefe...

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